"Wat is'n dat so teuer?"

Immer wieder kommt es vor, dass wir als Akustik-Duo ein Angebot versenden, auf das eine entsetzte Antwort des Hochzeitspaares folgt.

 

"Ihr seid völlig überteuert,"

sagen viele. Denn:  
"Das sind doch nur drei Lieder. 380 Euro für zwölf Minuten Arbeit? Euer Gehalt will ich mal kriegen!" 
Oder:
"Auf der Hochzeit meiner besten Freundin hat die Tochter der Nachbarin mit ihrem Freund gesungen.
Die nehmen nur 120 Euro für eine Trauung!" 

 

Das Problem ist, dass diese Aussagen auf völlig falschen Annahmen beruhen. 

Vorab: Wir möchten niemanden angreifen, der sagt, dass ihm die Preise für Hochzeitsmusiker nach Listenpreis zu teuer sind. Jedes Brautpaar sollte seine individuellen Prioritäten setzen dürfen - die einen heiraten ganz klein und bescheiden, die anderen mit einem rauschenden Fest; den einen ist das Traumkleid von Kaviar Gauche am wichtigsten, den anderen die Pferdekutsche, die Schlosshotel-Location oder eben die Band auf der Party. Deswegen unser ehrlicher, sehr ernst gemeinter Appell an alle, die heiraten:

 

Lasst euch nicht einreden, dass ihr irgendetwas MÜSST. 
Es ist euer Tag! Ihr alleine bestimmt, wofür ihr euer Geld ausgebt. 

 

Wenn ihr aber gern Live-Musik auf eurer Hochzeit haben möchtet, dann macht euch bitte bewusst, dass es keineswegs mit zwölf Minuten, auch nicht mit der Stunde, die die Trauung in der Kirche nun mal dauert, getan ist, wenn eure gebuchten Musiker ihren Job ernst nehmen. 

Damit möchten wir die Tochter der Nachbarin, die mit dem Singen ihrem Hobby nachgeht und auch ab und zu bei Hochzeiten im Bekanntenkreis auftritt, in keiner Weise schlecht reden. Sie hat bestimmt auch eine total schöne Stimme!

Was sie aber von uns unterscheidet, ist der professionelle Anspruch, die Expertise; nicht zuletzt EURE Absicherung, es mit Profis zu tun zu haben, die auch dann, wenn das Drumherum mal überhaupt nicht rund läuft noch eine Lösung parat haben, anstatt euch mit dem Problem allein zu lassen. 

Im Folgenden möchte ich euch erklären, wie die Preisgestaltung von Hochzeitsmusikern zustande kommt - und warum sie durchaus ihre Berechtigung hat. 

Arbeitszeit

Musikalische Vorbereitung 
Wer eine Hochzeit bespielt, möchte, dass sein Auftraggeber eine perfekte Performance genießt. Nochmal: Es ist EUER Tag! 
Wenn wir einen Auftritt mit einer beliebigen Coverband auf irgendeiner Stadtfest-Bühne haben, ist das deshalb nur ein Bruchteil der Vorbereitung, die wir in eine Trauung stecken. Wir treffen uns zum proben, befassen uns mit neuen Liedern, die wir teilweise nicht einmal kannten; arrangieren sie um, sodass sie für unsere akustische Duo-Besetzung funktionieren und spielen sie immer und immer wieder durch, bis sie uns so in Fleisch und Blut übergegangen sind, dass unsere Instrumente und Stimmen zu einer Einheit werden. Damit ist schon einmal mindestens ein halber Arbeitstag weg. 

 

Nun ist es natürlich so, dass eine Probe zusammen nur wenig Sinn macht, wenn man vor Ort erstmal die Akkorde raussuchen, das Lied fünfmal anhören und die Texte und Abläufe so verinnerlichen muss, dass man überhaupt durch den Song durchkommt. Ergo bereiten wir uns beide natürlich schon vorher vor - was wieder einen halben Arbeitstag kostet. 

Tag der Trauung 
Ihr heiratet um 14 Uhr, sagen wir mal - in Sankt Augustin. Das sind von Verenas Wohnung  in Köln aus ca. 30 Minuten Fahrt. Tun wir einfach mal so, als würden wir von dort starten und ignorieren damit, dass Dennis, der in Wuppertal wohnt, diese Strecke natürlich auch erstmal zurücklegen muss. 
Wir sagen unseren Brautpaaren zu, dass wir spätestens eine Stunde vor Zeremonie-Beginn an der Kirche stehen, um einen reibungslosen Ablauf gewährleisten zu können. Inklusive Parkplatzsuche und einkalkulierten Verkehrsstörungen fahren wir also um 12 Uhr los. 
Vorher checken wir unser komplettes Equipment, wärmen unsere Stimme auf, stylen uns einer Hochzeit entsprechend, packen unser Auto - sind also etwa ab 10 Uhr beschäftigt mit eurer Trauung, die in vier Stunden losgeht. Wenn wir davon ausgehen, dass die Zeremonie wie üblich etwa ein, bis anderthalb Stunden dauert; wir danach abbauen und unser Equipment zusammenpacken, danach selbstverständlich noch mal schnell gratulieren kommen und am Schluss wieder die 30 Minuten zurück zu Verenas Wohnung fahren, sind wir gegen 16.30 Uhr zuhause. Das macht also 6,5 Arbeitsstunden - und damit wieder über einen dreiviertel Arbeitstag. 

Organisatorische Vorbereitung

Wir versprechen unseren Brautpaaren einen reibungslosen Ablauf ihrer Trauung; GARANTIEREN ihnen sogar, dass sie am Tag der Hochzeit keinerlei Aufwand mit uns haben. Wir stellen keine Fragen, erwarten keine Problemlösungen vor Ort vom Brautpaar oder deren Gästen und Helfern, bereiten mit Trauredner/Pfarrer und Brautpaar alles so vor, dass am Tag der Hochzeit alles von allein läuft.
Im Schnitt haben wir mit unseren Auftraggebern, ggf. zusätzlich der Kirche oder den Trauzeugen zuvor also 6-8 Mal Mailverkehr, um Fragen nach den technischen und örtlichen Gegebenheiten zu klären; setzen einen Vertrag auf, beraten in Songfragen, versenden Hörproben - und das alles, egal ob wir im Urlaub, in unseren Hauptjobs oder krank auf der Couch sind, immer innerhalb von 24 Stunden. 
Damit sind wir, wenn alles absolut optimal abläuft, bei einem weiteren halben Arbeitstag

 

Fazit: Man rechnet pro Trauung mit mindestens zwei Arbeitstagen!

 

Nun gibt es allerdings noch einige weitere Aspekte, die den Preis von Hochzeitsmusikern beeinflussen. 

Kosten 

- Musik ist ein Ausbildungsberuf. Dennis hat am ArtEZ Conservatorium in Arnheim Jazzgitarre und Gesang studiert und später in Dortmund an der Folkwang Universität noch einen Master of Populärmusik drangehängt. So eine Ausbildung plus die vielen Musikschulstunden, die nötig waren, um überhaupt einen Studienplatz zu bekommen, kostet Geld - alles zusammengerechnet rund 20.000 Euro. Auch Gesangsunterricht, wie ihn Verena über viele Jahre bei renommierten Lehrern wie Anno Lauten und Jini Meyer genommen hat, ist nicht günstig: Umgerechnet kommt man alleine für eine Grundausbildung zum Sänger auf rund 4000 Euro. (Kalkulation: 60 Minuten Gesangsunterricht à 25 Euro - das ist ein Einstiegswert an einer Musikschule, die meisten Lehrer nehmen das Doppelte - für mindestens drei Jahre wöchentlich: 3.900 Euro. Wobei angemerkt sei, dass die meisten von uns nie wirklich mit dem Unterricht aufhören. Die Stimme verändert sich, stellt ihren Besitzer immer wieder vor neue Herausforderungen, es gibt immer noch etwas zu lernen.)

 

- Um Musik zu machen, benötigt ihr EquipmentFür eine Solo-Sängerin beginnt das bei etwa 500 Euro Gegenwert - darin sind eine kleine Anlage, das Mikrofon, ein Tablet mit entsprechenden Programmen sowie Kabel, Stecker etc. enthalten - alles weitere muss aufgerechnet werden. Die Kosten, die man für eine Einsteiger-Gitarrenausrüstung sowie ein Keyboard einrechnet, sind mindestens doppelt so hoch, eher höher.  Wenn ihr erfahrene Live-Musiker für eure Trauung bucht, die Wert auf Klangqualität legen und ihren Beruf schon ein Weilchen ausüben, dann könnt ihr davon ausgehen, dass am Ende mindestens 2000 Euro Technik auf eurer Bühne stehen. 

 

- Für Hochzeitsmusiker gehört es sich außerdem natürlich, sich dem Anlass entsprechend zu kleiden - und was man heutzutage als Hochzeitsgast für ein entsprechendes Outfit ausgibt, brauchen wir euch wohl nicht vorrechnen. Ihr besingt mehrere Hochzeiten im Monat? Prima. Drei bis vier Outfits sollten demnach genügen (sparsam kalkuliert mit ca. 400 Euro).

 

- Es gibt in Deutschland Musiker wie Sand am Meer. Ihr wüsstet aber nichts von ihnen, wenn diese Musiker nicht mit entsprechenden Werbematerialien auf sich aufmerksam machen würden. Die Grundausstattung besteht dabei aus einer Website, Visitenkarten, professionellem Foto- und Ton-Material, Anzeigen in diversen Bewerbungsportalen und Social Media-Auftritten mit kostenpflichtigen Werbefunktionen. Diese Kosten allgemein zu beziffern ist sehr schwierig, weil jeder Musiker selbst entscheidet, wie viel er in sein Marketing investiert. Setzen wir auch hier mal nur ein geringfügiges Budget von 500 Euro jährlich an

Wenn wir diese minimalst kalkulierten Kosten jetzt mal auf 20 Trauungen im Jahr umrechnen, kommen wir auf 82,50 Euro Fixkosten pro Hochzeit pro Musiker. 

Die Ausbildung lassen wir an dieser Stelle mal außen vor, denn sie ist am schwersten zu kalkulieren: Ab welchem Punkt hat man entschieden, der Musik nicht nur als Hobby, sondern als Beruf nachzugehen? Welche tatsächlichen Kosten hat man ab dann gehabt? Welchen der vielen Ausbildungswege hat man gewählt? 
Das alles in eine einigermaßen allgemeingültige Zahl zu pressen, halten wir für unseriös. Wisst also einfach - mit diesen 82,50 Euro ist es nicht getan. 

 

Verrechnet mit der investierten Arbeitszeit für die Trauung (zwei Tage, wie oben hergeleitet) ergibt das das folgende Ergebnis.

Wohlgemerkt: für eine ausgebildete Fachkraft in der Profession des Musikers.

Fazit: Stundenlohn von 7,67 Euro

Würdet ihr dafür arbeiten gehen wollen? 

Wir tun es. Wir lieben diesen Job nämlich! Und deswegen vergessen wir diese Zahl jetzt auch ganz schnell wieder.

Wichtig ist uns nur, dass bei euch hängenbleibt, dass Musik für uns und unsere Kollegen mehr als nur ein Hobby ist. Wir haben zwar riesigen Spaß an dem, was wir tun - wir nehmen uns aber auch anderer Pflichten und Verantwortungen an, um diesen Job auszuüben. Viele davon sieht man auf den ersten Blick nicht - und das ist auch gut so, denn auch das zählt zu unserem Job: Uns die Arbeit nicht anmerken lassen. 

Wir glauben aber, dass Transparenz und gegenseitiges Verständnis der einzige Weg zu einer zufriedenstellenden Zusammenarbeit in unserer Branche sein kann. Und vielleicht hat dieser Text ja ein kleines Bisschen dazu beigetragen, das voranzutreiben. 

 

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit. 
Voice for your Event, Mai 2018

 

VOICE FOR YOUR EVENT

Hochzeitsgesang und Musikduo aus Köln, NRW